Impfprivilegien oder Gleichheit vs Gerechtigkeit

So langsam nehmen die Impfungen endlich Fahrt auf, während sich die Lockdownmaßnahmen stufenweise verschärfen. Mittlerweile benutze ich eine FFP2-Maske beim Einkaufen und im Vergleich zu den einfachen Stoff- und OP-Masken empfinde ich die wirklich als störender. Das heißt nicht, dass ich sie ablehne – im Gegenteil. Wir sind alle genervt, sicher. Keinem gefallen die Maßnahmen, aber sie sind notwendig. Für jeden Einzelnen von uns?

Da verbinden sich nämlich die beiden Themen. Die Zahl der bereits geimpften Menschen wächst natürlich. Soweit ich das sehe, ist immer noch nicht bewiesen, ob die Impfung nur vor einem schweren Krankheitsverlauf schützt, oder auch vor Übertragung. Trotzdem ist es an der Zeit zu diskutieren, wie wir damit umgehen, wenn für diese Menschen der Lockdown einfach keinen Sinn mehr machen würde. Denn das wird ganz schnell zu einer Grundsatzdiskussion darüber, welchen Wert wir in Deutschland nun eigentlich höher einschätzen: Gleichheit oder Gerechtigkeit. Schnell haben viele Politiker klargemacht: Es wird keine Impfprivilegien geben. Der Lockdown wird durchgezogen, egal ob man geimpft ist oder nicht. Entweder alle oder keiner! Das ist fair für alle.

Fair?

Das ist keine Fairness. Das ist Gleichheit ohne Verstand. Wir haben Lockdownmaßnahmen, weil es vernünftig ist, die Krankheit einzudämmen. Weil wir die Ausbreitung stoppen müssen. Weil wir diejenigen, die mit einem schweren Verlauf rechnen müssen, schützen wollen. Darum und nur darum nehmen wir die Maßnahmen auf uns und riskieren Pleiten, frustrieren uns und besonders unsere Kinder, geben viel von dem auf, was uns Spaß macht. Weil es notwendig ist! Aber wenn es für bereits geimpfte Mitmenschen nicht mehr notwendig ist? Dann sollten sie diesen Beschränkungen auch nicht mehr unterliegen. So einfach ist das. Ja, mir ist klar, dass das dann genau die Alten und Vorerkrankten sind, die zu schützen die ganzen Maßnahmen überhaupt erst eingeführt wurden. Sollen sie trotzdem Maßnahmen einhalten, nur weil noch nicht alle geimpft sind? Nein, verdammt! Das hat auch nichts mit Gerechtigkeit zu tun.

In der Impfpriorisierung sind meine Famile und ich wahrscheinlich erst am Schluss dran. Würde ich mich besser fühlen, dass andere unnötig an den Maßnahmen leiden, nur weil ich – notwendigerweise – noch immer daran leiden müsste? Natürlich nicht! Das ist absurd!

Wenn sie nicht ansteckend sind, sollen sie doch wieder rausgehen! Lasst sie sich wieder treffen, zum Friseur gehen, ins Café. Lasst sie die Wirtschaft wieder ankurbeln und ein bisschen Gesellschaft haben. Vielleicht ist es ja auch ein Anreiz für diejenigen, die immer noch schwafeln, der Virus sei nur eine mittelschwere Grippe und die Impfung tötet oder macht zumindest mal aus vormals mündigen Bürgern willenlose Sklaven des Systems.

Zumal es sowieso nicht funktioniert, den Lockdown erst aufzuheben, wenn alle geimpft sind, gleichzeitig aber zu erklären, dass es keine Impfpflicht geben wird. „Die Kita bleibt zu, bis sich Heinz-Günther und die Rita von gegenüber auch haben impfen lassen!“ Wir wissen alle, dass das Quatsch ist.

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